Was macht eigentlich ein Auto HiFi Mechatroniker?
Oder „das kann doch nicht so schwer sein, das habe ich doch vor 20 Jahren selbst gemacht.“
Ja, damals hat man auch noch auf der Straße Zündkerzen, Luftfilter und Räder selbst getauscht…
Bei Außenstehenden treffe ich regelmäßig auf Unverständnis für meine Tätigkeit. Die einen meinen, dass doch praktisch in jedem Auto heute ein Radio ab Werk eingebaut ist und dieses gar nicht mal so schlecht klingt. Den anderen fehlt die Vorstellung dafür, wie arbeitsintensiv eine gute HiFi-Anlage im Auto ist. Und wieder andere assoziieren mit „Car-HiFi“ extrem laute Anlagen mit wummernden Bässen, die man schon aus Kilometern Entfernung hört.
Ja, so schlecht klingen die originalen Radios ab Werk wirklich nicht. Vielen Kunden reicht das. Sie wollen einfach ein wenig Musik dudeln lassen, während sie fahren. Aber einigen Kunden reicht das nicht. Denn nur all zu oft klirren die Höhen oder die Bässe arbeiten unsauber und dumpf. Und richtiges Stereo mit virtueller Bühne vor(!) dem Hörer kann fast kein Autohersteller. Und da schlägt unsere Stunde.
Damals war alles besser? Nein.
Vor einigen Jahren war der Tausch von Lautsprechern wirklich ein Klacks: Klammern ins Radio gesteckt, Radio heraus ziehen, Stecker abziehen, neues Radio anstecken, einschieben – nach 15 Minuten fertig. Bei Lautsprechern nahm man nur eine Blende ab, schraubte 4 Schrauben heraus, und hatte den Lautsprecher in der Hand. So brauchte man für zwei Lautsprecher kaum länger als 30 Minuten. Das ist allerdings wirklich bald 20 Jahre her. Heutzutage sind Radios so geformt, dass sie kaum noch als einzelnes Gerät wahr genommen werden und für das Tauschen der Lautsprecher muss man die komplette Tür zerlegen. Zudem machen wir uns heute deutlich mehr Aufwand: um die Außengeräusche zu verringern und den Bass deutlich mehr Akzent zu geben, werden die Türen noch weiter zerlegt und aufwendig gedämmt. Die Lautsprecher sitzen auf Abstandsringen; im Original aus Kunststoff, wir fertigen sie aus Holzwerkstoffen an. Gerade beim Hochtöner, der sehr stark darüber entscheidet, wie nervig spitz eine Anlage klingt, sparen die Fahrzeughersteller. Wir sorgen dafür, dass das der Vergangenheit angehört.
Tausend kleine Handgriffe

So gibt es Tausend kleine Handgriffe und viele größere Arbeiten, die dafür sorgen, daß die Nachrüstung einer HiFi-Anlage recht kostenintensiv ist, aber im Gegenzug der akustische Effekt sehr deutlich zu Tage tritt. Und dabei habe ich die Verlegung von Kabeln kreuz und quer durchs Auto (welches man dafür weiter zerlegen muss) den Einbau von Verstärkern sowie deren Verkabelung und Einstellung nicht weiter ausgeführt.
Ohne Computer gehts nicht
À propos Einstellung. Viele Arbeiten sind heute ohne Computer nicht mehr möglich. Alarmanlagen und Radios werden mit Computern programmiert. Die großartigste Entwicklung unserer Branche ist aus meiner Sicht aber der DSP, der digitale Signalprozessor. Mit einem Computer, viel Erfahrung und einigem Messequipment lassen sich im DSP die Musiksignale so „verbiegen“ dass heute ein Klang möglich ist, den wir vor 20 nicht für möglich hielten. Und den die Autohersteller bis heute nicht erreichen (wollen), den meisten Kunden reicht ja das einfache Radio oder als Extra der Markenname teurer Heim-HiFi-Hersteller an den Lautsprecherabdeckungen.
Und so verlangt der Job eines Auto-HiFi-Mechanikers Wissen, Erfahrungen und Fähigkeiten auf vielen Gebieten: Elektronik, Elektrotechnik, Akustik, Kfz-Mechanik, Holz-, Kunststoff und Metallbearbeitung, Computertechnik usw usf
Im >Portfolio habe ich für sie beispielhaft den Einbau einer HiFi-Anlage in einen Ferrari dokumentiert.